Die Weitergabe des byzantinischen Einflusses in den Raum des Königreichs Ungarn und nach Siebenbürgen

Bei der Ausbreitung des byzantinischen Einflusses in den Raum des Königreichs Ungarn und später nach Siebenbürgen spielten vor allem die Balkanvölker eine wichtige Rolle, die in direktem Kontakt mit Byzanz standen, insbesondere die Serben und die Bulgaren. Durch die Kirche, durch Klöster, durch die Wanderung von Handwerkern sowie durch politische und kulturelle Beziehungen gelangten Elemente der byzantinischen Tradition nach und nach auch in diesen Teil Europas.

Im Allgemeinen lässt sich der Beginn dieser Einflussübertragung in den Raum des Königreichs Ungarn und Siebenbürgens auf die Zeit zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert zurückführen. Viele der heute erhaltenen Bauwerke, an denen sich dieser Einfluss konkret erkennen lässt, stammen jedoch aus dem 13. und 14. Jahrhundert, zum Teil sogar aus einer noch späteren Zeit.

Die Wurzeln und die Entstehung des byzantinischen Stils in der Wandmalerei

Der byzantinische Stil in der Wandmalerei entwickelte sich nach und nach im Byzantinischen Reich, im Laufe einer langen künstlerischen und geistigen Entwicklung. Er entstand unter dem Einfluss mehrerer bedeutender Traditionen.

Aus der griechisch-römischen Kunst übernahm man bestimmte Regeln der Komposition und der Darstellung von Figuren. Aus der frühchristlichen Kunst kamen die religiösen Themen sowie die wichtige Rolle des Bildes im Leben der Gläubigen. Hinzu kamen orientalische Einflüsse aus Syrien, Ägypten und Kleinasien, die die Frontalität, die feierliche Wirkung und den symbolischen Charakter der dargestellten Personen besonders betonten.

Gleichzeitig verlieh die christliche Theologie dem Bild eine tiefe Bedeutung. Dadurch hatte die Wandmalerei nicht mehr nur eine dekorative, sondern auch eine spirituelle Aufgabe. Aus diesem Grund entfernte sich der byzantinische Stil vom Realismus der antiken Kunst und versuchte vor allem, eine heilige Welt zu vermitteln – voller Ordnung, Würde und Spiritualität.

Merkmale

Der byzantinische Stil in der Wandmalerei ist leicht an einigen sehr klaren Merkmalen zu erkennen: Die Figuren werden frontal dargestellt, die Gesichter sind länglich, und die Augen wirken groß und ausdrucksstark. Die Gesichter haben oft einen ernsten und ruhigen Ausdruck, denn der Schwerpunkt liegt nicht auf menschlichen Gefühlen oder Bewegung, sondern auf der geistlichen Welt.

Die Gewänder werden vereinfacht wiedergegeben, mit klaren Linien und festen, eher starren Falten. Sie erscheinen also nicht naturalistisch, so wie in der Wirklichkeit. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist der Heiligenschein, der fast immer den Kopf heiliger Figuren umgibt und auf ihren sakralen Charakter hinweist.

Außerdem sind die Farben kräftig, und die gesamte Komposition wirkt geordnet und ausgewogen, um Feierlichkeit und Harmonie zu vermitteln.

Unterschiede zwischen:

  1. Byzantinisch und gotisch
    Der byzantinische Stil ist nüchterner, stärker von Spiritualität geprägt und sehr symbolisch. Die dargestellten Personen erscheinen frontal, ernst und eher starr, weil der Schwerpunkt auf dem Heiligen liegt. Im gotischen Stil werden die Figuren dagegen eleganter, ausdrucksvoller und menschlich näher dargestellt.

Der byzantinische Stil vermittelt vor allem Spiritualität, während die Gotik mehr Gefühl und Bewegung zum Ausdruck bringt.

2. Byzantinisch und Renaissance

Der byzantinische Stil betont die heilige Welt und die religiöse Botschaft. Deshalb wirken die Figuren stilisiert und feierlich. Der Stil der Renaissance hingegen wendet sich stärker dem Menschen und der Natur zu. Hier erscheinen die Figuren realistischer, natürlicher, und es zeigt sich ein deutliches Interesse an Perspektive und ausgewogenen Proportionen.

Der byzantinische Stil spricht vor allem vom Heiligen, die Renaissance dagegen vom Menschen und von der Schönheit der sichtbaren Welt.

Wie verbreitete sich der byzantinische Stil in Westeuropa?

Der byzantinische Stil gelangte durch die enge Verbindung zwischen Italien und dem Byzantinischen Reich auf die Apennin-Halbinsel. Im 6. Jahrhundert eroberte Kaiser Justinian im Zuge der Feldzüge seiner Generäle Belisar und Narses einen Teil der italienischen Gebiete zurück. In diesem Zusammenhang gewann der byzantinische Einfluss auf der Apennin-Halbinsel stark an Bedeutung, besonders in Städten wie Ravenna, wo bedeutende Bauwerke und Kunstwerke im byzantinischen Stil entstanden.

Durch die Verwaltung, durch die Kirche, durch die Tätigkeit von Handwerkern und die Verbreitung künstlerischer Vorbilder, aber auch durch die Handelsbeziehungen mit dem Osten, breitete sich der byzantinische Stil in mehreren Regionen Italiens aus. Ravenna ist dabei das bekannteste Beispiel, denn hier haben sich bis heute einige der wichtigsten Bauwerke und Mosaiken byzantinischer Tradition in Europa erhalten.

Die Basilika San Vitale ist berühmt für ihre Mosaiken aus dem 6. Jahrhundert, darunter auch die weltbekannten Darstellungen von Kaiser Justinian und Kaiserin Theodora.
Das Mausoleum der Galla Placidia gehört zu den ältesten Monumenten Ravennas und ist für seine intensiv blauen Mosaiken und seine ganz besondere Atmosphäre bekannt.
Die Basilika Sant’Apollinare Nuovo ist berühmt für ihre prachtvollen Mosaiken und für die Prozessionen der Heiligen, die an den Innenwänden dargestellt sind.

Der byzantinische Einfluss blieb jedoch nicht auf Ravenna beschränkt. Er zeigt sich auch in Bauwerken wie der Basilika San Marco in Venedig und der Pfalzkapelle in Aachen, wo byzantinische Vorbilder übernommen, angepasst und mit lokalen Traditionen verbunden wurden.

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